Es zischt wieder in den Schulen

Von Nathalie Wimmer

 

Nach einjähriger Pause meldet sich das Projekt „Zisch – Zeitung in der Schule“ wieder zurück. Es geht darum, bei Primarschülern über Alltagsthemen das Interesse an der Zeitung zu wecken. In erster Linie werden also Lese- und Medienkompetenz gefördert. Darüber hinaus sollen die Schüler aber auch lernen, gemeinsam zu diskutieren und Meinungen anderer zu akzeptieren.

 

Es gibt immer mehr Möglichkeiten, Informationen anzuzapfen: Fernsehen, Radio, Internet und soziale Netzwerke liefern News im Minutentakt. Tageszeitungen und Wochenzeitschriften bieten als entschleunigtes Medium ebenfalls Nachrichten. In diesem immer undurchschaubarer werdenden Dschungel wächst die Schwierigkeit, zu erkennen, woher man als Mediennutzer seriöse und journalistisch einwandfrei aufbereitete Informationen herbekommen kann. In diese Kerbe will das Projekt Zisch – Zeitung in der Schule schlagen. Es geht um Medienkompetenz. Aber auch um einiges mehr.

 

Die Projektautoren von Promedia Maassen verfolgen in erster Linie das Ziel, Schülern den Spaß am Lesen – auch am Lesen von Informationen – zu vermitteln. Diese Auseinandersetzung mit der Zeitung kann auch auf ganz unkonventionellem Weg erfolgen: „Kinder dieses Alters haben die Zeitung noch gerne in der Hand, lesen diese und erarbeiten anschließend zum Beispiel im Kunstunterricht noch kleine Kunstobjekte daraus“, erklärt Wilhelm Maassen, Geschäftsführer von Promedia Maasssen, die fachübergreifenden Anwendungsmöglichkeiten. Die Zeitung braucht schließlich nicht nur im Deutschunterricht studiert zu werden. Die Zahl des Tages passt in den Mathekurs. Die Wetterkarte kann in der Umweltstunde durchgenommen werden und selbst die Todesanzeigen waren in Vorgängerprojekten bereits Thema im Klassenraum.

 

Damit das Erarbeiten der Unterrichtsinhalte für die Lehrer nicht zum unnötigen Zeit- und Kraftaufwand wird, legt die Agentur pädagogisches Material vor. „Die Arbeitsutensilien werden speziell für die Lehrer von Eupen bis Büllingen erarbeitet. Wir legen großen Wert darauf, dass das Material nicht standardisiert ist. Wenn wir fertige Arbeitsblätter für die Schüler anbieten, werden diese nicht mit Texten irgendeiner Zeitung erarbeitet, sondern zum ganz großen Teil mit Originalen aus dem GrenzEcho und zudem mit Texten, die nicht älter als 14 Tage sind. Wir wollen die Schüler da abholen, wo sie leben, spielen, zur Schule gehen – auch ein Gefühl für Heimat entwickeln. Die Schüler lernen richtig zu lesen, Informationen aus den Artikeln für sich aufzuschlüsseln und einzuordnen. Sie lernen, genau und konzentriert zu lesen und vieles mehr“, erklärt der Pädagoge.

Das Projekt startet für 254 Schüler, begleitet von 13 Lehrern, ab dem 24. April. Ab diesem Zeitpunkt wird jedem Teilnehmer eine kostenlose Zeitung zugesandt, die dann im Unterricht, gemeinsam mit den Lehrern und Klassenkameraden, durchgenommen wird. Es geht dabei nicht nur um Artikelinhalte, sondern auch um den Zeitungsaufbau oder um das Verständnis der Themen. Und nicht zuletzt können die Schüler auch selber aktiv werden. Als Zisch-Journalisten schreiben sie eigene Artikel, die im GrenzEcho gedruckt werden. Es gibt außerdem eine projektbegleitende Website, auf der alle Schülertexte veröffentlicht werden. In den vergangenen Jahren haben die Jung-Redakteure beispielsweise eine Imkerin besucht, den Ralley-Fahrer Thierry Neuville interviewt oder in den Tresorraum einer Bank geschaut. 2014 hat Melanie Fassbender aus der Primarschule Eynatten an dem Projekt teilgenommen. Sie berichtete darüber: „Wir haben uns das Thema selber ausgesucht. Und es war interessant, Interviews zu führen. Es war toll, dass danach auch andere durch den Artikel von unserem Thema erfahren haben.“

 

Maassen jedenfalls ist überzeugt, dass Projekte wie Zisch in Zeiten von Trump und „Alternativen Fakten“ immer wichtiger, ja sogar „unverzichtbar“ werden. Alleine über den von Kellyanne Conway, Beraterin des US-Präsidenten Donald Trump, geprägten Begriff könne man eine ganze Unterrichtsreihe gestalten. „Trump produziert ja selbst Fake News und wirft gleichzeitig anderen Organisationen und Medien vor, solche zu produzieren. Ein ziemlich perfides System“, urteilt er.

 

Damit Zisch aber überhaupt in diesem Jahr aus der Taufe gehoben werden konnte, mussten Sponsoren gefunden werden. 2016 ist das Projekt am Mangel finanzieller Unterstützer gescheitert und musste ausfallen. „Damit ein Projekt wie Zisch den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann, erfordert es große finanzielle Anstrengungen und auch viel persönliches Engagement und Herzblut der Lehrer. Alles, was den Schulen geboten wird, vom Informationsseminar für die Lehrer über die Zeitungslieferung bis hin zur pädagogischen wie redaktionellen Betreuung oder auch Besuche bei unseren Partnern und Schulungsmaterialien für die Lehrer kosten eine Menge Geld und wären ohne Partner aus der Wirtschaft auch nicht umzusetzen“, so Maassen. Die Partner, KBC Bank & Versicherung sowie die Freie Krankenkasse, tragen daher zum Gelingen des Projektes maßgeblich bei.

 

Für das GrenzEcho ist ein solches Projekt natürlich auch nicht ganz uneigennützig. Das Verlagshaus macht sich auf diesem Weg für Leser-Nachwuchs in der Region stark. Und will seinem gesellschaftlichen sowie bildungspolitischen Auftrag gerecht werden.

 

Damit haben die Schüler wahrscheinlich wenig am Hut. Ihnen geht es wohl eher darum, abwechslungsreiche Unterrichtsstunden zu erleben. Das ist ihnen mit Zisch gewiss. Sie können ganz nebenher Zeitung in entspannter Atmosphäre und ohne Leistungsdruck in der Schule kennenlernen. Und kommen so vielleicht auf den Geschmack. Zisch ist damit auch eine Zukunftsinvestition. Oder mit den Worten von Wilhelm Maassen: „Es ist immens wichtig, dass die Schüler lernen, sich aus der Tageszeitung zu informieren, denn im letzten Jahr haben die 14- bis 19-Jährigen sich laut Studien erstmals mehr über die sozialen Netzwerke informiert als über gedruckte Zeitungen. Ein Alarmsignal, denn jeder kann, wie wir wissen, auf Facebook reinstellen, was er will.“

 

Für Spätentschlossene ist ein Einstieg in das Projekt noch möglich. Anmeldungen und Infos unter 0049/2404/940723 oder marianne.weiss@promedia-maassen.de